Brauchtum & Tradition in Salzburg

Das Bundesland Salzburg wird von landwirtschaftlich genutztem Land geprägt. Diese Kulturlandschaft bewohnen Menschen, die tief verwurzelt sind in regionalen Traditionen, Bräuchen und Kultur. Insbesondere in den abgelegenen Teilen im alpinen Süden des Bundeslandes hat sich eine Vielzahl uralter Bräuche bewahrt. Sie haben ihre Wurzeln nicht selten in der vorchristlichen Zeit und in heidnischen Riten.

Mit diesem Artikel versuchen wir, Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Bräuchen, Festen und Traditionen im Bundesland Salzburg zu verschaffen. Wir haben und bemüht, dabei vor allem auf Brauchtum hinzuweisen, das von den meisten Touristen nicht wahrgenommen wird - also authentische Bräuche. Hier finden Sie nur jeweils kurze Hinweise; für weitere Details und genaue Veranstaltungshinweise wenden Sie sich am besten direkt an die örtlichen Tourismusverbände.

Januar (in Österreich Jänner)

Das Jahr beginnt in Salzburg mit dem Neujahrsschießen, bei dem eine Abordnung von Bürgergardeschützen in historischen Uniformen einen Salut abgibt. Dies geschieht zumindest in der Stadt Salzburg so, und zwar zu Mittag. In mehreren Gemeinden im Umland übernehmen andere Schützenvereine diese Aufgabe.

Im Salzkammergut marschieren die Glöckler um den 5. Januar herum von Haus zu Haus. Junge Männer in prächtigen Kostümen, die aus weißem Unterkleid und gewaltigem, bunten Kopfschmuck bestehen. Der Kopfschmuck wird von innen beleuchtet. Bänder mit Schellen an Beinen und Hüften klingen hell auf, wenn die Glöckler ihre Tänze aufführen. Damit wollen Sie den Geist des Frühlings beschwören und die schlafenden Samen im Erdreich wecken. Bei den Glöcklern handelt es sich um einen der Bräuche, die auf Wurzeln in heidnischer Zeit zurückgehen.

Um den 6. Januar herum, dem Dreikönigstag, marschieren die Sternsinger von Haus zu Haus. Vier Kinder, kostümiert als die Heiligen drei Könige samt Sternträger, singen Lieder und bringen einen Segensspruch am Haus an. Dabei sammeln Sie Spenden, gewöhnlich für Missions- und Entwicklungsprojekte im Ausland. Die Sternsinger werden meistens aus den Reihen der katholischen Kinderorganisation Jungschar rekrutiert.

Der 6. Januar wird gemeinsam mit dem 21. Dezember auch als eine der Raunächte bezeichnet. Das Wort geht auf "Rauch" zurück und damit auf den Brauch, Kräuter in Stall und Stube zu verbrennen, um mit dem Rauch böse Geister auszutreiben. Auch das dürfte eine heidnische Tradition sein, die in einen christlichen Kontext eingebettet bis heute überlebte. Die Raunächte sind auch sehr wichtig für unterschiedliche Bräuche der Perchten, insbesondere in Bayern, Salzburg und großen Teilen des Salzkammerguts. Details dazu finden Sie im Abschnitt über den Dezember.

Februar

Im Februar, der in manchen Teilen Österreichs auch als Feber bezeichnet wird, halten manche Gemeinden im Flachgau das Aperschnalzen ab. Eine ungerade Zahl von jungen Männern in traditioneller Tracht versammelt sich auf offenem Feld und knallt laut mit einer Pferdepeitsche um die Wette. Ziel der Übung ist es auch hier, die Frühlingsgeister zu wecken, den Winter zu vertreiben und das Wachstum anzuspornen. Heute gibt es auch Wettbewerbe im Aperschnalzen zwischen einschlägigen Vereinen aus Salzburg und Bayern. Wals-Siezenheim ist wohl der bekannteste Austragungsort für Aperschnalzen.

Der Großteil des Faschings und damit der Ballsaison liegt in den meisten Jahren ebenfalls im Februar. Kostümfest und Feiern aller Art sind im ganzen Bundesland Salzburg beliebt: Faschingsgschnas, diverse Kränzchen, Faschingssitzungen, Faschingshochzeiten und Faschingsumzüge erreichen ihren Höhepunkt zwischen Faschingssamstag und Faschingsdienstag. Das Treiben ist zwar traditionell, sehr alt ist das entsprechende Brauchtum aber nicht.

März & April

Die Osterzeit steht natürlich im Zeichen der Auferstehung Christi. Am Palmsonntag tragen viele Menschen vor allem in Landgemeinden Palmbuschen zum Gottesdienst. Sie werden traditionell aus sieben verschiedenen Gewächsen gebunden und mit gefärbten Hobelspänen, Brezen und Äpfeln dekoriert. Die Palmbuschen werden in der Kirche gesegnet, Bauern stellen sie dann auf die Felder, um Unwetter abzuwehren. Der letzte in der Familie, der an diesem Tag aufsteht, wird übrigens als Palmesel gescholten.

Zu Ostern werden in manchen Gemeinden, beispielsweise in Großgmain, Passionsspiele veranstaltet. Eier, die am Gründonnerstag gelegt wurden, gelten als Fruchtbarkeitssymbole - wobei noch heute viele Familien ihre Ostereier am Gründonnerstag färben. Kirchenglocken läuten übrigens nicht von Gründonnerstag bis zur Osternachtsfeier. Es heißt, dass die Glocken zur Weihe nach Rom geflogen seien. Um für den Lärmentgang zu kompensieren laufen die Ministranten der Gemeinde durch den Ort und sammeln mit "Ratschen" Geld. Ein weiterer Brauch rund um die Osternacht sind die Osterfeuer, die in den vergangenen Jahren wegen des entstehenden Feinstaubs teilweise verboten wurden.

Der 23. April ist der Tag des Heiligen Georg (Georgitag). Da der Heilige Georg der Schutzpatron der Pferde ist, war er Bauern seit Jahrhunderten lieb und teuer. In manchen Gemeinden werden Georgiritte veranstaltet: Prozessionen in historischen Kostümen auf Pferden, samt Pferdesegnung und Gottesdienst zu Ehren des heiligen Georg.

Mai

Die Nacht vom 30. April ist die Philippinacht, in der alles, was nicht niet- und nagelfest ist, gesammelt und vor der Kirche oder am Dorfplatz zur Abholung bereit gelegt wird. Zur Ablöse muss man traditionell einen Schnaps oder ein Bier bezahlen. Der erste Mai ist Tag der Arbeit; während in großen Städten mit sozialistischer Tradition noch ein bisschen rote Nostalgie aufflackert, machen Landgemeinden viel mehr Aufsehen um das Errichten eines Maibaumes. Begleitet wird selbiges Projekt meistens von Blasmusik, Bier, Grillhendln und Volkstanz.

Juni

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten ist Fronleichnam, ein Feiertag, der mit einem Gottesdienst in Form einer Prozession abgehalten wird. Vor allem in Landgemeinden tragen viele Gläubige an diesem Tag Tracht, meistens nehmen auch Vereine an der Prozession teil.

Manche Gemeinden im Lungau begehen die Zeit um Fronleichnam mit "Samsonumzügen". Dabei handelt es sich um einen einzigartigen Brauch, den man nur im Murtal findet. Dabei wird eine hölzerne Figur von mehreren Metern Höhe durch den Ort getragen, begleitet von mannsgroßen Zwergen, Blasmusik und Schützenregimentern. Die etwa achtzig Kilo schwere Figur wird dabei von nur einem Mann geschleppt. Das Spektakel kann man in Salzburg in den Gemeinden Tamsweg, St. Michael, Muhr und Ramingstein bewundern, jeweils an unterschiedlichen Tagen.

Der Samson trägt in allen Gemeinden eine Tunica und die Waffen eines römischen Soldaten mit einer Lanze in der Hand. Der Ursprung dieses eigenartigen Brauchs ist unklar. Die ältesten Zeugnisse für einen Samsonumzug gehen auf das Jahr 1635 zurück, vermutlich ist der Brauch aber viel älter. Manche Volkskundler vermuten, dass es sich dabei um eine Fortsetzung heidnischer Fruchtbarkeitsrituale handelt.

Am 21. Juni ist Sonnwende. Dabei werden Sonnwendfeuer auf den Berggipfeln und Hügelkuppen entfacht; auch hier gilt, dass bedingt durch Feinstaub dieser Brauch heute nur eingeschränkt stattfinden kann. Was bei einem Sonnwendfeuer aber keineswegs fehlen darf, das sind Grillhendln und Bier. Viele Vereine mit deutschnationalem Rechtsdrall machen die Sonnwendfeier zu ihrem höchsten Feiertag, handelt es sich doch um einen alten germanischen Brauch.

Juli & August

Der 25. Juli ist Jakobitag. St. Jakob ist der Schutzpatron der Hirten und wird in der Gemeinde St. Jakob am Thurn mit einem speziellen Tanz. Eine andere Tradition dieses Tages ist ein Ringkampfwettbewerb, der am 2.117 Meter hohen Hundsstein stattfindet. Dieser Ringkampf folgt ganz eigenen Regeln und ist seit dem Mittelalter überliefert. Die jungen Männer, die daran teilnehmen, kämpfen um den Titel des "Hagmoar". Die Regeln des Wettbewerbs werden von einem Schiedsrichter überwacht. Der Kampf endet ähnlich einem Sumoringkampf - dann, wenn einer der beiden Kämpfer von seinem Kontrahenten so zu Boden gedrückt wird, dass seine Schultern die Erde berühren.

Am Dürrnberg bei Hallein führen die Knappelgilden den uralten "Dürrnberger Schwerttanz" auf. Dabei handelt es sich um einen Knappentanz, der sich bis ins Jahr 1581 zurückverfolgen lässt. Getanzt wird dabei in den alten Knappentrachten mit Stiefeln und Schwertern. Der Tanz selbst stellt mehrere Tätigkeiten dar, die in einem Bergwerk ausgeführt werden. Dazu passend wird er beim flackernden Licht von Fackeln vorgeführt. Ähnliche Gildentänze gibt es auch in anderen ehemaligen Bergbauregionen Salzburgs. Zum Beispiel in Böckstein im Gasteinertal, wo diese Tradition im Jahr 1979 wiederbelebt wurde.

Der Lungau besticht dagegen wiederum mit ganz eigenen Bräuchen: In den Gemeinden Muhr und Zederhaus werden Prozessionen mit Prangstangen abgehalten. Dabei werden lange Stangen mit Tausenden von Alpenblüten dekoriert und mit großem Brimborium in die Kirche getragen. Der Legende nach geht dieser Brauch auf eine Heuschreckenplage zurück, von der die Dörfer befreit wurden. Zum Dank für diese Erlösung fertigen sie alljährlich die Prangstangen an.

Sie bestehen aus bis zu 50.000 einzelnen Blüten und werden in wochenlanger Tätigkeit angefertigt. Getragen werden die Prangstangen von jungen Männern, die unverheiratet sein müssen. Uneheliche Kinder dürfen sie übrigens auch keine haben. Nach der Prozession werden die Prangstangen in der Kirche ausgestellt, und zwar bis zu Maria Himmelfahrt am 15. August. Danach werden die Prangstangen eingesammelt und verbrannt, um damit Essen zu räuchern.

September & October

Almabtriebe bescheren dem Monat September viele Höhepunkte, was touristische Attraktionen der saisonalen Art angeht: Kühe, die den Sommer über auf den Bergen auf besonders hoch gelegenen Weiden grasten, werden im Spätsommer in die Täler geführt. Dem Anlass entsprechend dekoriert man die Kühe an machen Orten noch traditionell mit Blumen, Kränzen und Glocken. Den Winter verbringen die Tiere dann in den Ställen.

Seit einigen Jahren wird der "Salzburger Bauernherbst" abgehalten. Er besteht im Wesentlichen aus einer Serie von Märkten, Volkstanz, und landwirtschaftlichen Traditionen in zahlreichen Gemeinden des Bundeslandes Salzburg.

Am 24. September ist der Tag des Heiligen Rupert, dem Schutzpatron des Bundeslandes Salzburg. Gefeiert wird der Tag mit den Salutschüssen der Bürgergarde, dem Rupertischießen. Der Domplatz verwandelt sich in einen Vergnügungspark und Marktplatz, ebenso die anschließenden Plätze. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten in der Stadt Salzburg ist erreicht, wenn die Reliquien der Heiligen Rupert und Virgil von der Stiftskirche St. Peter in den Dom überführt werden - in Form einer Prozession.

November

Die Nacht von ersten auf zweiten November ist Allerseelen; zu diesem Anlass backen viele Bäckereien das Gebildbrot, das Taufpaten ihren Patenkindern schenken. Am Allerseelentag besuchen viele Menschen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. Für Kinder ist der 11. November wichtiger, St. Martin: In den Tagen davor basteln sie kleine Laternen, die sie in einer Prozession in die Kirche führen.

Traditionell handelt es sich bei St. Martin auch um den Tag, an dem Bauern ihre Steuern entrichten mussten. Das geschah oft in Form von Gänsen oder anderen Gütern. Heute ist uns aus dieser Zeit noch das Martinigansl erhalten, das in vielen Gasthäusern serviert wird. In der Ortschaft St. Leonhard nahe Grödig wird eine Prozession zu Ross abgehalten, der Leonhardiritt.

Dezember

Ähnlich wie im Januar gehen auch im Dezember im Salzkammergut die Glöckler um. Sie marschieren von Haus zu Haus und überbringen Segenswünsche. Dazu singen, tanzen und rezitieren sie Gedichte.

Der 4. Dezember ist der Barbaratag. St. Babara ist die Schutzpatronin der Bergleute, was in Salzburg natürlich sehr bedeutsam war. Erstaunlicherweise hat sich aber nur wenig entsprechendes Brauchtum erhalten. In vielen Haushalten werden an diesem Tag aber noch Barbarazweige geschnitten: Meist Kirschzweige, die dann in einer Vase in die Wohnung gestellt werden. Blühen sie bis Weihnachten, so bedeutet das Glück und Segen für das kommende Jahr. Spezielle Festgottesdienste werden in Gemeinden abgehalten, die eine Bergbautradition haben.

Der 5. Dezember ist der Krampustag. Das Wort Krampus leitet sich vom mitteldeutschen Wort für Kralle ab und bezieht sich auf junge Männer und Burschen, die sich in Dämonsmasken gehüllt zusammenrotten, um bevorzugt hübsche Mädchen mit Ruten zu schlagen. Ein eigenartiger Brauch der in allen anderen Ländern der Welt wahrscheinlich längst verboten wäre, ich in Salzburg aber großer Beliebtheit (unter den Krampussen) erfreut.

Etwas tiefsinniger und geringfügig zivilisierter sind die Perchtenläufe, die aber auch meist weniger traditionell sind, als die Veranstalter erklären. Dabei laufen, tanzen und brüllen Perchtengruppen vor oft großem Publikum. Wichtige Perchtenläufe finden in Henndorf statt, in Maxglan und in Obergnigl.

Überall in Stadt und Land Salzburg werden Sie in der Adventszeit außerdem Christkindlmärkten begegnen. Sie variieren sowohl preislich als auch in ihrem Anspruch, traditionell zu sein. Insgesamt hat sich aber zumindest der Aspekt der Traditionalität in den letzten Jahren stark gebessert. Die verkauften Waren umfassen kaum noch Actionfiguren und andere billige Importware; das Sortiment besteht aus den viel passenderen gebrannten Mandeln, Weihnachtsschmuck, Glühwein und regionalen Handwerkserzeugnissen.

Der 8. Dezember ist Maria Empfängnis, einem halben Feiertag: Geschäfte dürfen an diesem Tag geöffnet bleiben, was dazu führt, dass die Salzburger an diesem Tag in einen regelrechten Kaufrausch verfallen. In manchen Gemeinden werden an diesem Tag Marienbildnisse in Prozessionen von Haus zu Haus getragen, ein Brauch, der nur noch selten gepflegt wird.

Die meisten Traditionen, die sich um den Heiligen Abend, Christtag und Stefanitag drehen, sind gut erhalten. Obwohl der religiöse Aspekt des Weihnachtsfestes immer weniger stark wahrgenommen wird, sind die Weihnachtsfeiertage noch immer relativ ruhige Tage, die im Kreise der Familie begangen werden. Eine Ausnahme stellt die Tourismuswirtschaft dar, die während dieser Zeit nicht nur die Anlaufphase der Skisaison erlebt, sondern auch einen ersten Höhepunkt der Wintersaison.

Die Silvesternacht ist dann endgültig laut und voll: Gewaltige Feuerwerke und Open-Air Konzerte im Stadtzentrum haben dazu beigetragen, Salzburg zu einer der beliebtesten Silvestermetropolen Europas zu machen. Vor allem Italiener scheinen das Neue Jahr mit Vorliebe in Salzburg zu begrüßen.

Links

http://www.sbg.heimatwerk.at/
Salzburger Heimatwerk (Achtung: Nervige Musik)

http://www.salzburgervolkskultur.at/
Website zu Salzburger Volkskultur

http://www.salzburg.com/wiki/index.php/
Bräuche im Land Salzburg

zurück zu "Allgemeine Infos"

Visit-Salzburg.net